Das Krazy Kanguruh in St. Anton am Arlberg ist nach Abriss und Neubau zur Wintersaison 2025/26 zurückgekehrt. Für den neuen Club wurde ein L-Acoustics Soundsystem entwickelt, das hohe Pegel im Innenraum mit kontrollierter Schallabstrahlung nach außen verbindet.

Après-Ski-Club mit neuer Gebäudestruktur
Das Krazy Kanguruh gehört seit 1965 zur Après-Ski-Kultur in St. Anton. Seit 2009 ist der Club im Besitz von Mario Matt, zweifachem Weltmeister und Olympiasieger. Die Lage direkt am Berg an der Kreuzung der Pisten 29 und 50 macht den Club zu einem zentralen Anlaufpunkt am Ende eines Skitags.
Der Neubau wurde rechtzeitig zur Wintersaison 2025/26 abgeschlossen. Neben der neuen Struktur und Innenausstattung erhielt das Krazy Kanguruh ein neu geplantes L-Acoustics System für eine Kapazität von 1.200 Personen. Die Musik läuft von mittags bis 20 Uhr, während umliegende Geschäfte und Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe liegen.
Schallmanagement als zentrale Vorgabe
Die technische Vorgabe war klar definiert: Das System sollte die gewünschte Energie für eine Après-Ski-Location liefern und zugleich den Schall möglichst im Gebäude halten. Mit der Planung wurden der österreichische Audiospezialist Signal Sound & Light und der regionale Integrationspartner Musik Tirolbeauftragt.
Die bauliche Situation erschwerte die Planung. Das Dach des Veranstaltungsortes besteht aus einer vollständig verglasten Wintergartenkonstruktion, die elektrisch geöffnet werden kann. Klassische Aufhängepunkte an einer festen Decke standen daher nicht zur Verfügung.
Raphael Rupprecht, Systemdesigner bei Signal Sound & Light: „Das versenkbare Glasdach schloss von Anfang an jede Deckenmontage aus. Wir mussten eine Lösung entwickeln, die sich vollständig auf die Seitenflächen des Veranstaltungsortes stützte.“

Systemdesign in Soundvision
Signal Sound & Light entwickelte das gesamte System in L-Acoustics Soundvision. Die Simulation war entscheidend, weil in dem reflektierenden Raum mit Glasflächen und harten Steinoberflächen nicht nur nominelle Leistung, sondern die tatsächliche Energieverteilung im Raum zählte.
Im Hauptbereich sind fünf X12-Lautsprecher zwischen sechs KS21i-Subwoofern aufgehängt. Die Subwoofer bilden ein 14 Meter langes Bass-Array. Vier weitere aufgehängte X12 und acht 5XT ergänzen die Raumabdeckung. Fünf X8i versorgen zusätzliche Bereiche des Veranstaltungsortes.
Im Obergeschoss wird der Restaurantbereich von 13 kompakten 5XT in Kombination mit sechs X8i abgedeckt. So bleibt die klangliche Kohärenz erhalten, während über dem Hauptsaal eine zurückgenommene Atmosphäre möglich ist.
Vernetzte Architektur mit Dante, AES/EBU und AVB
Das System wird zentral verwaltet und ermöglicht dem technischen Team flexibles Routing sowie eine vereinfachte Steuerung im laufenden Betrieb.
Ein wichtiger technischer Punkt war die Interoperabilität zwischen mehreren vernetzten Audioprotokollen. Die Systemarchitektur basiert stark auf Dante-Komponenten. Die Anbindung an den Yamaha DSP-Matrixprozessor wurde über die Integration von AES/EBU zu AVB mithilfe eines LC16D-Audiokonverters realisiert.
Bass-Array reduziert Abstrahlung nach außen
Die erweiterte Bass-Array-Konfiguration spielte eine zentrale Rolle für die Lärmschutzanforderungen. Durch die Ausrichtung der End-Fire-Achsen auf benachbarte Grundstücke ließ sich die Energie tiefer Frequenzen in kritischen Richtungen reduzieren.
Raphael Rupprecht: „Ein wesentlicher Vorteil langer Arrays ist ihre ausgeprägte Dämpfung tiefer Frequenzen entlang der End-Fire-Achse. Indem wir diese Achsen auf die benachbarten Grundstücke ausrichteten, konnten wir die Energie tiefer Frequenzen in den kritischen Richtungen deutlich reduzieren.“
Die hohe Lautsprecherdichte und die verteilten X12-Punktquellen sorgten im Innenraum für einen hohen Direktanteil. Das war aufgrund der reflektierenden Oberflächen wichtig, um Klarheit und Abdeckung im gesamten Raum zu erhalten.
Siegfried Maier, Leiter Sound bei Signal Sound & Light: „Die Minimierung des Schallabfalls bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der energiegeladenen Atmosphäre im Innenraum hatte oberste Priorität. Die Konfiguration des verteilten Systems wurde speziell darauf optimiert, die Auswirkungen nach außen zu reduzieren und gleichzeitig eine gleichmäßige Abdeckung und Klarheit im gesamten Raum zu gewährleisten.“
Hörtests bestätigen das Konzept
Nach der Systemkalibrierung wurde die Umgebung zu Fuß geprüft, darunter die angrenzende Skipiste und die Nachbargrundstücke. Die Ergebnisse bestätigten eine wirksame Dämpfung tiefer Frequenzen nach außen. Selbst bei geöffnetem Dach und hoher Systemlautstärke war auf den Nachbargrundstücken praktisch kein Schall wahrnehmbar.
Für den Betrieb bedeutet das ein System, das hohe Schalldruckpegel im Innenraum ermöglicht und gleichzeitig die langfristigen Anforderungen an Nachbarschaftsverträglichkeit und Klangqualität unterstützt.
Zusammenarbeit mit Musik Tirol
Signal Sound & Light kam über die langjährige Verbindung zu Musik Tirol in das Projekt. Die Erfahrung von Musik Tirol mit Installationen in alpinen Umgebungen unterstützte die Umsetzung von der Planung bis zur Inbetriebnahme.
Christoph Reiter, Inhaber von Musik Tirol:„Krazy Kanguruh benötigte ein System, das technische Präzision mit praktischer Zuverlässigkeit verbinden konnte. Gemeinsam mit Signal Sound & Light haben wir eine Lösung geliefert, die die ehrgeizige Vision des Veranstaltungsortes unterstützt und gleichzeitig im täglichen Betrieb praktisch und zuverlässig ist.“
Seit der Wiedereröffnung verzeichnet das Management höhere Einnahmen sowie positives Gäste-Feedback, das direkt mit dem verbesserten Klangerlebnis zusammenhängt.
Siegfried Maier: „Wenn das System von Anfang an richtig konzipiert ist, ist es mehr als nur eine technische Aufrüstung. Es trägt direkt zum Gästeerlebnis und zum Erfolg des Veranstaltungsortes bei.“
